
Hier nun der 2. Teil, den ich bereits ankündigte. Die Erzählung handelt von Ramona, deren Schicksal ich vor einigen Jahren bereits in einem Beitrag erzählt habe. Kurze Einleitung zur Person zum Auffrischen:
Ramona (anonymisiert) ist mittlerweile 65 J. , hat eine geistige Beeinträchtigung, Borderline, PTBS und hat körperlich auch mittlerweile einige Defizite (Arthrose, Unsicheres Gangbild, was hin und wieder und öfter auch mal zu unkontrollierten Stürzen führt)
Sie lebt allein in einer 1 Zimmerwohnung irgendwo in Deutschland. Ihre Hobbys sind abstrakte bunte Bilder auf Leinwand malen. Daneben, fast noch mehr Zwangsverhalten statt Hobby sind Flaschensammeln. Dadurch hat sie wöchentlich noch ein zusätzliches Einkommen von oftmals um die 30 Euro.
Daneben sammelt sie alles, was für sie unentbehrlich und wichtig ist: Sie besitzt sicher einige hundert Mikrofasertücher, die sie fein säuberlich auf einen Stapel legt. Genauso verfährt sie mit Küchenpapier. Die Rollen werden als einzelne Blätter aufeinandergestapelt. Kaffeepackungen, Öl, Zucker und Getränke sind im Übermaß ebenfalls vorhanden. So hat sie einmal über 80 Flaschen Cola und 4 Pakete Mineralwasser gehortet und sich beklagt, sie habe viel zu wenig zu trinken zu Hause.
Dort, irgendwo in Deutschland bin ich denn dann auch, arbeite als Heilerziehungspflegerin im ambulant betreuten Wohnen und begleite/betreue seit einigen Jahren gemeinsam mit einer Kollegin Ramona pädagogisch in ihrem Alltag.
Wir leiten an, erhalten vorhandene Ressourcen, unterstützen da, was nicht selbstständig durchgeführt werden kann. Begleiten und koordinieren Arzttermine, reflektieren mit ihr z.B. die Dinge, die sie nicht verstanden hat und bringen sie auf „die richtige Spur“. Ramonas Wahrnehmungen von den Vorgängen, egal in welchem Kontext, verändern sich häufig.
So kann man heute mit ihr einkaufen gehen, ihr den Vorschlag machen, dass sie sich wenigstens ein wenig Obst und Gemüse einkauft (sie ernährt sich hauptsächlich durch Fleischprodukte), kann es gut sein, dass sie am Abend anruft und sich ganz erbost darüber beschwert, man wollte ihr etwas aufzwingen, nie könne sie selbst entscheiden. Das wolle sie nicht, sie entscheidet. Beim nächsten Mal wolle sie garnicht mehr mit einem einkaufen gehen, am besten kann man auch gleich ganz wegbleiben. Außerdem sei man dann auch schuld daran, dass sie soviel Geld ausgegeben hat. Sie bekäme ja nur den Ärger dann mit der gesetzlichen Betreuung und den habe sie sich nur durch uns eingehandelt.
Wenn sie uns dann selbst nicht erreichen kann, muss unser armer AB herhalten. Das geht dann manches Mal soweit, dass sie innerhalb von kurzer Zeit 5-6 anruft. Meist am Wochenende jeden Tag. Wenn sie dann mal wieder der Meinung ist, dass sie sauer auf uns sein müsste.
Meine Kollegin und ich lassen sie dahingehend gewähren, denn nach dem Wochenende oder nach tagelangem Missmut, weiß sie entweder nichts mehr davon, oder sie hat dann doch irgendwann eingesehen, dass sie uns falsch beschuldigt hat. Oder aber auch, wenn man sie darauf anspricht, dann ist sie ganz erstaunt und meint, dass sie das ganz anders verstanden hat und entschuldigt sich für ihr Verhalten.
Aber nicht nur, wenn sie der Meinung ist, dass uns ein großer Fehler bei ihr unterlaufen ist, ruft sie an, sondern auch vor und nach unseren Terminen. Dann möchte sie den Termin reflektieren, welche Aufgaben ansonsten noch erledigt werden müssen oder aber beklagt sich darüber, dass wir mit allen anderen Klienten viel mehr Zeit verbringen würden. Sie stände stets an letzter Stelle. Am liebsten hätte sie wohl, dass wir 24 Stunden rundum- Betreuung und für sie da wären.
Im letzten Sommer habe ich Ramona mit auf die Ferienfreizeit, die ich jährlich begleite, mitgenommen. Dort hat sie sich wohl gefühlt, war nicht allein und hat sich auch wunderbar in die Gruppe mit den anderen Klienten integriert. Wir haben einen Bauernhof besucht, der Ferienwohnungen vermietet. Mit einem Hofhund namens Bella, einer Katze, deren Name mir entfallen ist und etwas über 10 Milchkühe. Einem schönen Garten mit Swimmingpool, der an einem der schönen Tage ausgiebig von den Klienten genutzt wurde.
Dort habe ich Ramona zum ersten Mal so wirklich glücklich gesehen. Wasser und schwimmen, sie strahlte und gluckste im Wasser in einem fort. Das hat mich sehr berührt und ich habe mir vorgenommen, mit Ramona auch nach unserer Fahrt in den Alltag zurück, gemeinsam mit einer anderen Kollegin (zur Sicherheit) hin und wieder mit Ramona zum Schwimmen zu gehen. Das steht bei ihr nun als nächstes auf der Agenda. So kann sie dann wenigstens zeitweise aus ihrem Sorgenpaket ausbrechen und ihre Seele mit Glück bepinseln.
Nun bin ich noch garnicht dazu gekommen, auf das ursprüngliche Thema, über das ich erzählen wollte, zu kommen. Meine Muse vollführt aber auch immer gedankliche Sprünge, die von Hölzchen über Stöckchen und zurück an die Startlinie führen. Solange sie mich dabei nicht ganz im Stich lässt, bin ich beruhigt. Und so wird aus dem ursprünglich angedachten 1 Teiler über den 2 Teiler nun doch ein 3 Teiler 😉 oder… ?
Euch wünsche ich jetzt noch einen wunderbaren Start in den heutigen Tag hinein und später wieder hinaus. Dieser Tag soll alles glücklichmachende beinhalten, welches man sich nur vorstellen kann. Viele Wohlfühlmomente und vor allen Dingen möge euch ein Lächeln den ganzen Tag begleiten! ❤


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