
Ihr erinnert euch noch?
Vor ein paar Tagen habe ich bereits über „Berta“ berichtet. Berta, die von ihren Ängsten diktiert wird. Berta, die sich verfolgt und ausgegrenzt fühlt und Berta, die es mit viel Vorbereitung und viel Mut geschafft hat, sich zum Amt begleiten zu lassen um ihren Personalausweis zu beantragen. Für uns eine alltägliche und kleine Sache. Für Berta ein riesiger Schritt nach vorne.
Hier gilt es jetzt, nicht stehenzubleiben… wo ein Schritt gelingt, da sollte man gleich anknüpfen und weitere Schritt“chen“ planen und konkretisieren mit Zielen, Terminabsprachen. Die Schritte winzig klein halten, damit sie auch für Berta erreichbar werden.
Gleich beim nächsten Termin wurde ihr großer „Erfolg“ in aller nur möglichen Ausgiebigkeit gelobt und reflektiert. Was hat ihr geholfen, was hat ihr Sicherheiten gegeben, was hat sie empfunden, was ist gut gelaufen, was kann beim nächsten Mal verbessert werden… Der ganze Ablauf gibt nochmal einen guten Aufschluss auf Bertas Sicht und Befinden während der Prozedur. Bestenfalls kann es genauso weitergeführt oder aber hier und da verbessert werden. Die nächsten Schritte sollten möglichst zeitnah angesetzt werden, solange sie noch in ihrer Erleichterung und Glücksphase ist.
Man sollte das Eisen schmieden, solange es heiß ist… wer kennt diesen Spruch nicht?
Den Spruch sollte man wirklich in Stein meißeln… er birgt oftmals die Wahrheit schlechthin in seinem Kern.
Also, um jetzt zurückzukommen…
Gemeinsam mit Berta wurden nun die weiteren Schritte geplant. Das Wichtigste überhaupt und Bertas erstes Wunschziel wird sein, in der Klinik einer psychiatrischen Abteilung psychisch „auf Vordermann“ gebracht zu werden. Die Medikamente, vor allen Dingen die Psychopharmaka, sollten auf ihre derzeitige Wirkung überprüft werden. Die Medikamente nimmt sie schon seit vielen Jahren, als sie sich damals für einige Monate in der Klinik befand. Seitdem hat sich an den Medikamenten nichts geändert. Da sie aber nicht immer so wirken, wie Berta es erhofft und sie fast genauso lange auch nicht mehr beim Arzt war, hat sie die Dosierungen nebenbei schon mal selbst erhöht oder verändert. Je nach eigenem Gefühl. Das so etwas ungemein gefährlich sein kann, brauche ich, glaube, nicht zu erwähnen. Gerade Medikamente, die eine große Wirkung auf unseren Körper haben und zudem neben den ganzen „wirksamen“ Inhaltsstoffen auch jede Menge Unrat in unserem Körper verbreiten. Die arme Leber leistet dann Schwerstarbeit, um die ganzen Giftstoffe zu verarbeiten.
Also ist das nächste Ziel, ein Beratungsgespräch in der nahegelegenen Klinik zu vereinbaren. Zuvor steht dann auch noch ein Besuchstermin bei einem Psychiater bevor, da er/sie eine Einschätzung vornehmen und danach eine Einweisung ausstellen muss, damit sie den Kliniktermin überhaupt wahrnehmen kann. Darauf müssen wir nun kontinuierlich hinarbeiten.
Mir ist bewusst, dass dies nicht so schnell funktionieren kann, wenngleich ich mir das für Berta auch wünsche. Zunächst muss das Thema mit dem „Lob für beachtliche Leistung“ weiter ausgedehnt werden. Sozusagen als Motivationsaufbau und Erhalt. Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der viel beobachtet, manches, wenn es vermeintlich wichtig für das Vorwärtskommen scheint, im Gedächtnis abspeichern kann.
Bei einem Gespräch über dies und das und ihre Vorlieben an Speisen und Getränken, erzählte mir Berta, dass sie so selten an ihre Lieblingsteesorte Pflaume/Zimt herankomme, da ihr Bruder, der in gewissen Zeitabständen und nur in bestimmten Läden für sie einkaufen gehe, diese Sorte nicht erhalten würde. Das Gleiche sei ein Gewürz, welches sie seit langer Zeit vermisse und dies in den bevorzugten Läden ihres Bruders nicht vorhanden sei.
Was meint ihr, was ich ihr beim letzten Termin mitgebracht habe?

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr sie sich gefreut hat. Ich habe ihr gesagt, das Gewürz sei die Belohnung für ihren Mut, dass sie es geschafft hat, den Ausweis verlängern zu lassen und der Tee wird die Belohnung sein, dass wir nun nicht stehenbleiben. Wenn das mal keine Motivation ist. *lächel* …Fortsetzung folgt…
Manchmal bedarf es nur ganz wenig, einen anderen zu erfreuen. Eine Kleinigkeit, gut zuhören und reagieren und manchmal bedarf es auch einfach nur ein kleines Lächeln. Es kostet nichts und kann so wertvoll sein.
Ich möchte euch heute mein schönstes Lächeln mit den besten Wünschen in ein
wundervolles Wochenende geben ❤


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