
Jetzt, in der Vorweihnachtszeit weiß man manchmal garnicht, wo man zuerst hingreifen soll. Der leckere Lebkuchen oder doch der Bratapfel oder das liebevoll in Schokolade getunkte, mit Nusskrümeln bestäubte Spritzgebäck, Heidesand, Engelsaugen, Vanillekipferl oder, oder, oder doch nicht? Im Hinblick auf meinen Körper mit der unsagbaren Motivation, sich für den Winter eine doppelte oder auch dreifache Speckwatteschicht zuzulegen verliert man manchmal gegen die guten Argumente, die dieser Körper wie eine Schneeballpistole nach außen schießt. Doch zuviel ist zuviel und bleibt zuviel. Diese Völlerei muss und sollte auch nicht sein.
Da kann man wirklich von Glück sagen, wenn der Verstand und der Bauch wenigstens ein kleines bisschen Maß für ein gesundes Körpergefühl besitzt. Dann muss es nicht gleich eine ganze Dose voller Leckereien sein, sondern es reichen auch mal 2 oder 3 Plätzchen, die man genüsslich genießen kann. Das hebt die Glückshormone auf Wolken und klebt einem ein Lächeln auf den Mund.
So, oder so wäre es schon ganz schön, wenn man sich das immer mal wieder in den Sinn ruft und
unseren Völlereiwunsch in die eigenen Schranken weist.
Was aber, wenn es ganz anders läuft und das Leben einen in vielerlei Hinsicht gebeutelt hat?

Heute möchte ich euch von einem weiteren Menschen erzählen, den ich in meinem Berufsalltag als Heilerziehungspflegerin pädagogisch begleite. Aus Respekt und Gründen des Datenschutzes nenne ich diesen Menschen heute Horst.
Horst ist ein Mensch, der bereits viele Päckchen und Pakete auf seinen Lebensrücken geschnallt hat. Manche gewollt, doch die meisten haben ihm seine, ihm nächsten Menschen auf den Rücken gepackt.
Horst wuchs in den 70-ern mit mehreren Geschwistern in einer Familie auf, die finanziell nicht gut gestellt war. zu Hause war es lt. Horsts Erzählung ganz oft so, dass es an vielem gefehlt hat. Selbst für Lebensmittel fehlte der Familie schon mal das Geld. Damals gab es auch noch keine Tafeln, wie sie heutzutage in vielen Städten die größte Not lindern können. Doch selbst heutzutage haben selbst die Tafeln nicht mehr genügend für die vielen Menschen, die Bedarf anmelden.
Doch zurück zu Horst. Da musste jeder in der Familie schauen, wo er bleibt. Horst wuchs mit einer leichten Intelligenzminderung auf, zu der sich bis heute eine Depression hinzugesellt hat, die mal mehr, mal minder auftritt und ihn in seinem Alltag einschränkt. Doch das ist eine weitere Geschichte, die ich irgendwann einmal näher betrachte, um sie euch zu erzählen.
Die Familie um und mit Horst musste an manchen Tagen zusehen, wie jeder seine Nahrung bekommt und das Wort „Futterneid“ oder der Spruch „die Schlacht am kalten Büffet“ bekommt hier nochmal einen ganz bitteren Beigeschmack.
Neben den anderen Schwierigkeiten, die auch sicherlich dazu beigetragen haben, dass unter den Geschwistern Streit und Missgunst an der Tagesordnung war, ist Hunger ein existenzielles Bedürfnis, welches gestillt werden möchte.
Das Bedürfnis den Hunger zu stillen ist immer noch tief in Horst verankert. Zum einen füttert er seine geschundene Seele, zum anderen seine innere Leere und befriedigt somit eine Reihe von unangenehmen Gefühlen, die sonst zu stark in den Vordergrund treten könnten… Wut, Trauer, Enttäuschung und Angst. Während Horst isst, füllt er damit womöglich diese Leere im Innern, möchte sich selbst spüren und die negativen Gefühle abtöten. Ein böser Teufelskreis, der nach einer Essattacke nur einen Fußabdruck aus Asche hinterlässt. Dieser Teufelskreis hat in Horsts Leben bereits viele dieser Abdrücke hinterlassen, dass sich wie ein dicker Panzer um ihn legt.
Dabei hat und hatte Horst immer nur den einen Wunsch! Er selbst sein zu dürfen und ein zufriedenes Leben erlebbar zu machen. Haben wir nicht alle diesen Wunsch?
Für heute lasse ich es mal gut sein, sonst schreibe ich morgen noch. Die Fortsetzung folgt bald…

Ich wünsche euch einen wunderbaren Tag heute mit viel Wärme und Wohlergehen in euch und um euch herum ❤

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