
Gedanken verfangen sich in Spiralen und flüchten durch Zeit und Raum
Nicht imstande die Gedanken aufzuhalten und noch weniger zu verhindern, Sie einzufangen, unmöglich. Negative Gedanken schaffen sich den Raum, den sie brauchen um positive Schwingungen klein zu halten. Gedankenspiralen, die Tränen des Schmerzes hervorbringen und nicht enden wollen. Diese Hilflosigkeit, die einem die Luft zum Atmen verwehrt.
In dieser Zeit zurzeit, schaffe ich es kaum, allein mit meinen Gedanken im Auto unterwegs zu sein. Gedanken machen sich auf den Weg, selbstständig und rütteln an meinen Gefühlen, bis dass diese sich in Tränen ergießen.
Letzte Möglichkeit ist die Fähigkeit, sämtliche Emotionen zu erwecken. Allen voran der Mut und die Wut.
Wut tut gut, wenn die Tränen fließen. Im Blickwinkel entdeckte Tauben, meine Hassfreunde, die mir den Sommer auf meinem Balkon verwehrt haben, diesen belagert und mit Hinterlassenschaften hundertfach bestückt haben. Diese, solche Tauben erblicke ich im Vorbeifahren.

Die Wut baut sich auf und verdrängt langsam die Wellen des Schmerzes, den Tränenfluss. Wut tut manchmal wirklich gut.

Vor dem Schmerz, vor den Spiralitäten der Gedanken war noch vieles in Ordnung und das Leben voll positiver Aspekte. Der Urlaub im Oktober war anstrengend und doch wunderschön. Gefühlte hundertausend neue Eindrücke im Gepäck.
Zurück dann und in der gleichen Woche kam der Absturz in unermessliche Tiefen des Lebens und brachten die harte und unausweichliche Realität ins Spiel.
Die Diagnose meines Mannes mit zunächst leichten Schlaganfall brachte dann nach weiteren Untersuchungen mit einem kräftigem Hammerschlag die weitere Diagnose mit sich. Lungenkrebs, derzeit inoperabel. Schon vor Monaten wurde versucht, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten. Doch wer sich damit schon mal auseinandersetzen musste, weiß, wie lange man überhaupt auf einen ersten Termin warten muss.
So irrational, wie es sich auch nun anhört… war der kleine Schlaganfall ein kleiner Glücksfall, an dem man dann anknüpfen konnte, dass notwendige weitere Untersuchungen stattgefunden haben. Dank der Hartnäckigkeit meines Mannes, dass er das Gefühl hat, dass etwas mit der Lunge ist, hat eine junge Ärztin in der Klinik dann nicht nur ein MRT des Kopfes, sondern gleich damit auch eine Aufnahme der Lunge durchführen lassen.
Liebend gerne hätte man danach etwas anderes hören wollen… so liebend gerne…
Einen solchen emotionalen Sturz zu erleben, raubt einem zunächst die Kraft. Man fühlt sich hilflos den ganzen Gefühlen ausgesetzt. Von jetzt auf gleich rasen die Gedanken wie auf einer Achterbahn im Kopf hin- und her, schlagen Loopings und kein Ende ist in Sicht.
Man weiß nicht, ob man weinen soll, darf oder muss. Noch weniger, wie geht man jetzt mit der Situation um? Man bewegt sich tagelang wie eine Marionette, die fremdgesteuert wird. Man steht neben sich und betrachtet die Situation wie aus einem Nebel heraus immer wieder aufs Neue ohne Ergebnis. Man fühlt sich so hilflos, kann nichts tun, außer abwarten und beten, dass alles gut wird.
Wie muss sich erst mein Mann gefühlt haben, als er die Diagnose erhielt, wenn ich schon gefühlt daran zerbreche?
Ich habe mich tagelang geweigert, meine Emotionen zu zeigen. Habe nur heimlich und für mich geweint. Musste doch stark sein und wollte Hoffnung geben… so wie es doch meinem Naturell als unerschöpfliche Optimistin entspricht. Ich musste doch stark sein, um ihm etwas von der Stärke abzugeben. Doch woher Kraft nehmen, wenn die Kraft sich verabschiedet hat? Aus dem Nichts?
Als mein Mann dann die Ergebnisse der Biopsie erhielt, war er es, der mich getröstet hat. Meine Tränen konnte ich da nicht mehr zurückhalten und habe mich in dem Moment so sehr geschämt, dass ich es doch nicht geschafft habe, ihm eine Schulter zum anlehnen zu bieten. Er lächelte und meinte, dass es mit der Diagnose doch noch nicht vorbei wäre. Er sei doch noch da und Aufgabe sei für ihn keine Option.

In diesem Moment, in dem ich nun diese Zeilen schreibe, sind bereits über zwei Monate vergangen. Mittlerweile durchlief mein Mann bereits drei Chemorunden. Zwei weitere sind noch angesetzt, bis dass eine Status CT stattfinden wird, um zu sehen, inwieweit der Krebs bekämpft werden konnte. Alle Hoffnung liegt nun darauf.
Des Weiteren waren wir vor zwei Wochen in einer Spezialklinik, bei einer neuen Forschungsreihe mit Medikamenten. Es wird derzeit, speziell für das kleinzellige Lungenkarzinom getestet, ob diese Medikamente in Tablettenform auch hier Erfolg bringen. Bei anderen Krebsarten wird die Tablette schon erfolgreich eingesetzt. Dies soll das Wachstum der Krebszellen stoppen.
Ob sich mein Mann nun für die laufende Studie eignet, wird sich noch zeigen. Wir warten derzeit auf das Ergebnis. Die Hoffnung stirbt zuletzt und ich bete jeden Tag dafür, dass dieser Weg ebenso offen ist. Eine weitere Chance auf das Leben, von dem wir alle nur eines haben.
Die Reise in ferne Länder liegt sei Oktober hinter uns. Nun beginnt die Reise der Hoffnung, des Glaubens und der Kraft, die es braucht, diesen steinigen Weg zu gehen. Solange am Wegesrand das Leben steht, ist der Weg noch nicht zu Ende. Es liegt alles in der Hand des Schicksals.

Ich weiß, dass ich mit diesen ganzen Emotionen und Erfahrungen nicht allein bin. So viele Menschen ereilt das Gleiche oder ähnliche Schicksale.
Es ist wichtig, nach solchen Diagnosen nicht vollends die Richtung zu verlieren. Solange ein Funken Hoffnung besteht, ist Aufgabe keine Option. Ich wünsche allen Betroffenen und Angehörigen von ganzem Herzen Kraft und Zuversicht für die Lebensreise. Der Glaube und die Hoffnung haben ungeahnte Stärken in punkto Gesundheit.
Ich lasse mich da jetzt mal von meinem Glauben an die eine Hand nehmen, halte die andere Hand fest in der Hand meines Mannes und schaue, wohin die Reise geht -*lächel*-


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