29.06.25 Ethische Verfehlung

Published by

on

Hier hat eindeutig das System Mensch versagt.

Aufgeben ist keine Option hast du immer gesagt.

Es wurde dir nicht vergönnt, deinen Kampf mit Wertschätzung und Unterstützung des Gesundheitssystem welches in Ärzten und Klinikpersonal besteht, zu führen.

Bis zum letzen Atemzug hast du, haben wir gekämpft und doch verloren. Nun werde ich den Kampf für dich weiterführen, solange mein Atem noch reicht. Es kann nicht sein, dass über das, was passiert ist, Gras wächst und niemand kann sich mehr an die Schmach seiner Verfehlungen der Wertschätzung und Ethik erinnern.

Gebrandmarkt bis in die Ewigkeit sollen sich die Beteiligten den Schuh anziehen und sich daran erinnern, dass sie an deiner Zeitschraube des Lebens gewaltig gedreht haben. Sie haben dir Lebensqualität und Zeit geraubt, die du dir noch so gewünscht hast. Dich in Ehren, ein wenig mehr Zeit und Frieden verabschieden zu können von den Lieben um dich herum, ist dir dadurch nicht vergönnt gewesen.

Sie haben dich unter Druck gesetzt und dich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die du nicht treffen konntest, wolltest ohne mich. Selbst dein Bitten, mich mit in die Entscheidungen einzubeziehen, wurde nicht akzeptiert und dir wurde immer wieder gesagt, dass es deine Entscheidung sei. Da du nicht ohne mich entscheiden wolltest, haben diese fremden Menschen für dich entschieden.


Auszug aus dem Arztbrief der Rehaabteilung:

Therapiewünsche:

möchte sich bei Aufnahme nicht auf eine Therapielimitierung festlegen ohne mit seiner Frau gesprochen zu haben. Auch nach mehrmaliger Erläuterung das es sich um seinen Willen handelt und das auf der Akutgeriatrie mit ihm und dem Palliativteam DNR und DNI festgelegt wurde. Daran konnte er sich nicht erinnern und möchte dies erst nach Rücksprache eindeutig festlegen.

Aus medizinischer Sicht ist bei metastasiertem Bronchialkarzinom ohne Therapie in Palliativer Versorgung eine Reanimationsmaßnahme nicht indiziert. Patientenverfügung vorhanden, Vorsorgevollmacht vorhanden zugunsten Ehefrau Heike K., Tel:…


Anmerkung von mir ….

Ein Hohn… dann auch noch zum Schluss die vorhandenen Vollmachten anzumerken.

Ich wurde zu keinem Zeitpunkt der ganzen Rehamaßnahme kontaktiert, in die Entscheidungen mit einbezogen, wie es laut vorhandener Vorsorgevollmacht deren Pflicht und meines Mannes eindrücklicher Wunsch war.

Wurde nie in Kenntnis über den Verlauf und auch nicht über die Abbruchabsicht der Reha in Kenntnis gesetzt. Obwohl ich fast jeden Tag dort und ich telefonisch immer erreichbar war.

Erst, als er bereits in die andere Abteilung verlegt war, wurde mir telefonisch durch den medizinischen Dienst in Kenntnis gesetzt, dass die Reha nicht möglich war und diese abgebrochen wurde. Einzelheiten erfuhr ich erst, als ich selbst den Abschlussbericht in der Rehaabteilung verlangte.

Des Weiteren haben die Ärzte dort bereits während der Rehamaßnahme meinem Mann Psychopharmaka verabreicht, womit er ruhiggestellt wurde.

Schon alleine unter dem Medikamenteneinfluss war er garnicht fähig, an der Rehamaßnahme teilzunehmen (bei meinem Mann wirken Psychopharmaka auch in kleinster Dosierung besonders stark, und setzen ihn dann mindestens für einen ganzen Tag außer Gefecht, verstärken die Wahrnehmungsstörung, die er durch das Narkose- Delier bereits hatte.


Ethik und Wertschätzung der Würde des Menschen gegenüber wurde hier einfach mit beiden Händen schwungvoll vom Tisch des Respekts gewischt.

Viel zu spät habe ich davon erfahren und ist an Abartig- und Grausamkeit nicht mehr zu überbieten. Russisches Roulettespiel mit dem Leben eines anvertrauten Menschen. Missbrauch der Macht und ohne jegliche Einsicht.

Doch diese Verfehlung darf und wird nicht umsonst sein. Ich werde mit jeder Faser meiner Kraft dafür kämpfen, dass wir unseren Frieden damit finden, indem ich diesen Kampf um Gerechtigkeit für dich in deinem Namen zu Ende führe. Wenn die verantwortlichen Personen dann nur ein paar Minuten darüber nachdenken und es einem weiteren Menschen in ähnlicher Situation hilft, mehr Verständnis und Unterstützung zu erhalten, dann ist das Ziel erreicht.

Nachwort…

Mein Mann ist am 22.06.25 in der Nacht von Samstag auf Sonntag verstorben. Ich bin am Samstag viele Stunden bei ihm gewesen in denen er nur bedingt anfänglich etwas wacher war. Dafür hatte dann der Nachtdienst der vorigen Nacht gesorgt und hat ihm gegen 4 Uhr morgens noch Psychopharmaka verabreicht, welches ihn wieder den Tag über ruhiggestellt hat.

Einige Hinweise deuteten wohl, wie ich im Nachhinein von mehreren Personen in meinem Umfeld erfuhr, darauf hin, dass er sich im Sterbeprozess befand (warum hat mich niemand darauf hingewiesen oder zumindest umschrieben, dass es vielleicht besser sei, meinen Mann evtl. beruhigen würde, wenn ich bleiben würde? Ich wäre dort geblieben, damit er die letzten Stunden nicht alleine ist. Selbst das wurde ihm und damit uns nicht gegönnt…

Diese Frage wird mich mein Leben lang begleiten. So war er dann die letzten Stunden allein, bevor ihn sein Leben verließ.

Da ich bereits am frühen Morgen dort war, mich um ihn gekümmert habe (Die Pflegekräfte waren außer den nötigsten Dingen kaum im Zimmer), bin ich dann um kurz vor 20 Uhr erschöpft nach Hause gefahren. Wollte dann gleich Sonntag ganz früh wieder dort sein.

Um 3.10 Uhr hat mich dann der diensthabende Arzt angerufen und mir die Nachricht vom Tod meines Mannes überbracht. Um 1 Uhr in der Nacht sei wohl noch mal nach ihm geschaut worden… er hätte ruhig geschlafen… beim nächsten Gang um kurz vor 3 Uhr sei er dann tot aufgefunden worden…

Am 30.06. also morgen wird ein Gespräch in der Klinik mit den verantwortlichen Ärzten stattfinden, bei dem ich dann Aufklärung wünsche…

Meine Zeilen für die Trauerkarte

Dein Weg führt nun in die Unendlichkeit der Ruhe und des Friedens. 

Deine Lebensspuren aber verewigen sich als Juwel der liebevollen Erinnerung in unseren Herzen.

10 Antworten zu „29.06.25 Ethische Verfehlung“

  1. Avatar von Monika-Maria Ehliah

    Ih kann hier kein Sternchen setzen…
    nur inniges Mitgefühl und Herzensumarmungen. Segen.

    Like

    1. Avatar von gedankenmusik

      Ganz liebes Dankeschön ❤ liebe Monika

      Like

  2. Avatar von
    Anonymous

    Hiermit möchte ich Ihnen und den Angehörigen mein tiefes Beileid aussprechen.

    Man sagt ja,niemand geht ja so ganz,ein kleinerTrost.

    Meine Gedanken sind bei Ihnen,was passiert ist,was noch kommen wird…was man tuen kann…einfach bitte mitteilen.lch wünsch ganz viel Kraft.Ihre Bärbel Dung

    Like

  3. Avatar von
    Anonymous

    Hallo liebe 💘 Heike herzliches beileid meine Gedanken sind bei dir pass bitte auf dich auf 💘 💓 💕 💞 💌 💖 Angela

    Like

  4. Avatar von Rosa

    Oh, liebe Heike, und ich habe unter deinem vorherigen Beitrag dir und deinem Mann noch alles Liebe gewünscht … zu spät … Das tut mir so leid! Es ist erschütternd, was du schreibst und ich wünsche dir viel Kraft, aber auch Zeit für die Trauer und gute Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. 🫂

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von gedankenmusik

      Vielen lieben Dank Rosa! Alles gut, das konntest du ja nicht wissen…
      Das schlimmste ist, dass man das Gefühl hat, vollkommen allein mit seinen Wünschen und Hoffnungen zu bleiben. Nicht nur allein, sondern auch noch dafür zu sorgen, dass es nicht besser werden kann. Man schreibt einen Menschen einfach ab und legt die Hände in den Schoß, da es ja doch keinen Sinn macht. Außer ihn ruhigzustellen mit Medikamenten. Es ist nicht mehr schön und mein Vertrauen in die meisten Ärzte ist damit auch nun hinüber. Ich habe Panik, so etwas am eigenen Leib zu erfahren und dann vielleicht niemanden, der sich für mich einsetzt. Ich darf garnicht daran denken.
      Vielen lieben Dank für deine Wünsche! ❤ Irgendwann wird die Zeit dasein, in der ich einen Weg fürs trauern finde um den Schmerz etwas besser zu ertragen. Noch schaffe ich es nicht ❤
      Liebe Grüße
      Heike

      Gefällt 1 Person

      1. Avatar von Rosa

        Ich fühle mit dir …

        Gefällt 1 Person

      2. Avatar von gedankenmusik

        ❤ Dankeschön!

        Gefällt 1 Person

  5. Avatar von Marina Kaiser

    Liebe Heike, 💖,

    oje, was musstest du durchmachen! Ich habe beim Tod meines Mannes ähnliche Situationen von Machtlosigkeit durchlebt und empfindet tief mit dir.

    Wenn es für dich stimmig ist, umarme ich dich ganz sanft von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, mitempfindend von Ehefrrau zu Ehefrau.

    Ich wünsche dir viel Kraft in der nächsten Zeit und menschliche und himmlische Engel, die dich fühlbar auf die Weise unterstützen, die dir gut tut.

    Alles Liebe und Gute für dich jetzt und in der kommenden Zeit,🙏🥀

    Herzlichst, Marina

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von gedankenmusik

      Vielen lieben Dank für deine Umarmung liebe Marina ❤ es tut gut, dass man sich nicht so allein fühlt in dieser Zeit ❤ Ich danke dir von Herzen auch für deine Wünsche! Mal schauen, wann es anfängt, etwas leichter zu werden und den Weg zu finden, der es einem ermöglicht.
      Liebe Grüße
      Heike

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu Marina Kaiser Antwort abbrechen